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29.11.2010

Zuschlag per Mausklick

Auf der Suche nach dem günstigsten Logistik-Dienstleister entdecken mehr und mehr Unternehmen die Vergabe-Plattformen. Auf diesem Weg sollen die Kosten sinken und der Einkaufsprozess einfacher werden.

Von Christoph Hus

Wenn die Garchinger Baumaschinentochter des Zeppelin-Konzerns liefern will, reichen herkömmliche Lastwagen oft nicht aus. Zeppelin vertreibt und vermietet nämlich Baumaschinen des amerikanischen Herstellers Caterpillar. Die Bagger und Radlader sind oft so groß, dass sie nur mit einem Spezialfahrzeug und auf ausgewählten Strecken dorthin transportiert werden können, wo sie zum Einsatz kommen sollen. Noch vor drei Jahren kümmerten sich deutschlandweit knapp 2000 Speditionen um diese Transporte. Die Mitarbeiter in den Zeppelin-Niederlassungen und -Mietstationen beauftragten meist Transport-Dienstleister, die sie kannten. "Mit diesem Verfahren war es sehr schwierig, den günstigsten Preis zu ermitteln", erinnert sich Patrick Mertes, Logistik-Manager bei Zeppelin. "Außerdem hat die Auftragsvergabe unsere Mitarbeiter oft viel Zeit gekostet."

Damit ist seit Anfang des Jahres 2008 Schluss. Seither schreiben die Garchinger alle Transport Aufträge, für die es keine festen vertraglichen Vereinbarungen gibt, über die Vergabe Plattform Transporeon aus. Das sind rund die Hälfte der Logistik-Dienstleistungen, die Zeppelin beauftragt. Der Ablauf ist dabei stets identisch. Ein Zeppelin-Mitarbeiter gibt zunächst die wichtigsten Fakten zu dem Auftrag ins Transporeon-System ein: Die Größe der zu transportierenden Baumaschine, den Start- und Zielort des Transports sowie den gewünschten Zeitpunkt.

Rund 400 Logistik-Dienstleister, die dafür bei Transporeon freigeschaltet sind, können dann ihr Angebot abgeben. In der Regel bekommt derjenige mit dem günstigsten Preis den Zuschlag. "Wir haben mit diesem System unsere Logistik-Kosten deutlich gesenkt", sagt Mertes. "Außerdem haben wir die Vergabe vereinfacht und die Zahl der Dienstleister sowie der Leerfahrten reduziert." Das verringert in der Unternehmenszentrale den Verwaltungsaufwand.

Mal Spotmarkt, mal Dauerauftrag

Wie Zeppelin haben in den vergangenen Jahren viele Unternehmen den Einkauf von Logistik Leistungen professionalisiert, indem sie jetzt Beschaffungs-Plattformen nutzen. Davon erhoffen sie in erster Linie, dass die Kosten für Logistik-Dienstleistungen sinken. Gleichzeitig soll der Beschaffungsprozess im Unternehmen unkomplizierter werden. Die Vorteile der Plattformen liegen auf der Hand: Auftraggeber müssen nicht mehr per Telefon oder Email bei mehreren Dienstleistern anfragen, sondern geben nur noch einmal alle Daten ins System ein. Nach dem Ende des Bieterverfahrens können sie auf einen Blick den günstigsten Preis erkennen und per Mausklick den Auftrag erteilen. An den Plattform-Betreiber zahlen sie dafür eine Gebühr. Auf den Plattformen können Kunden nicht nur einzelne Transporte ausschreiben wie Zeppelin, Experten sprechen von diesem Geschäft als Spotmarkt. Sie können auch langfristige Verträge ausloben, etwa die gesamte Transportleistung in Deutschland in einem Kalenderjahr. In der Wirtschaftskrise führten der günstige Dieselpreis und ein Nachfragerückgang zu sinkenden Transportpreisen.

"Diese Gelegenheit haben viele Auftraggeber genutzt und langfristige Verträge mit ihren Transportdienstleistern abgeschlossen", berichtet Victor Meier, Geschäftsführer der Vergabe Plattform Cargoclix. "Spediteure und Frachtführer profitierten im Gegenzug von einer festen Auslastung ihrer Kapazitäten während der Krisenmonate." Nachdem das Volumen der Ausschreibungen bei Cargoclix Ende vergangenen Jahres leicht zurückgegangen war, verzeichnet Meier inzwischen wieder einen Anstieg - ausgelöst durch die Konjunkturerholung und die guten Geschäfte vieler Industrie- und Handelsunternehmen.

Verschiedene Kostenmodelle

Besonders intensive Nutzer der Vergabe-Plattformen sind Unternehmen aus Branchen, die große Warenmengen transportieren, gleichzeitig nur niedrige Margen erwirtschaften und deshalb besonders auf die Kosten achten. "Wir können ihnen den Zugang zu einer großen Zahl von Dienstleistern bieten und so für eine optimale Entscheidungsgrundlage im Beschaffungsprozess sorgen", wirbt Meier. Insgesamt sind nach seinen Angaben bei Cargoclix bereits 20.000 Nutzer registriert, 88 Prozent davon Spediteure und Frachtführer. Wer sich für eine Vergabe-Plattform interessiert, sollte allerdings zunächst die Prozesse im eigenen Haus auf Vordermann bringen, rät Oliver Kreienbrink von der Einkaufs-Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting. "Nur wenn man zum Beispiel genau definieren kann, welche Leistungen man überhaupt braucht, macht sich die Ausschreibung über eine Plattform am Ende bezahlt." In diesem Fall könnten Kunden auch von den Zusatzleistungen der Vergabe-
Dienstleister profitieren, erklärt der Berater. So helfen viele Plattformen dabei, auf Grundlage der Angebote verschiedener Logistiker mehrere Szenarien durchzuspielen - inklusive der sich daraus ergebenden Kosten.

Trotz der vielen guten Argumente, die für die Vergabe von Logistik-Leistungen über einen Online-Marktplatz sprechen, ist die Einführung eines solchen Systems nicht immer ganz einfach. Das hat auch Patrick Mertes von Zeppelin beobachtet. "In den ersten Monaten mussten wir viel Überzeugungsarbeit bei unseren Mitarbeitern leisten", berichtet er. "Viele konnten sich zuerst nicht vorstellen, dass die Vergabe über einen Marktplatz wirklich besser funktioniert als das alte System." Doch inzwischen sind diese Bedenken verflogen - auch weil die Zeppelin-Mitarbeiter heute mehr Zeit für andere Aufgaben haben.