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13.04.2015

Produktkostenkalkulation in der Entwicklungsphase – Wenn der Zielpreis das Optimum vorgibt

Design-to-Cost heißt, die optimalen Produktkosten schon in der Entwicklungsphase frühzeitig festzulegen und damit die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Produktes zu sichern. So einfach das klingt, so viele Abteilungen müssen dabei am gleichen Strang ziehen, wie das Beispiel beim Automobilzulieferer SHW zeigt.

Das Unternehmen SHW wurde 1365 gegründet und zählt damit zu den ältesten Industriebetrieben in Deutschland. Heute ist der SHW-Konzern ein Automobilzulieferer,  dessen Produkte wesentlich zur Reduktion des Kraftstoffverbrauchs  und damit der CO2-Emissionen im Automobilbereich beitragen. Der Preis-Wettbewerb ist in der Automobilbranche  immens hoch und so muss SHW bei Neuentwicklungen genau auf den zu erreichenden Zielpreis achten. „Die Konstruktionsphase  ist für uns ganz entscheidend, denn hier wer- den 70 bis 8O Prozent der Kosten für das Bauteil festgelegt“, sagt Hans Jensen, Leiter Entwicklung International bei SHW. „Damit entscheidet man über den Erfolg eines Produktes, ob man wettbewerbsfähig ist oder nicht.“

Um die Entwickler mit konsistenten Zahlen zu unterstützen, wurde im letzten Jahr ein Projekt mit Niklas Panchyrz, Senior Partner bei Kerkhoff Consulting gestartet. Begonnen wurde mit der Produktkostenkalkulation eines entwickelten Prototypen, um für alle verwendeten Teile, Materialien und Fertigungsprozesse eine Kostentransparenz zu schaffen. Auf Grundlage dieser Zahlen wurde dann mit der Weiterentwicklung begonnen. „Mein Anspruch ist es, dass wir Produkte entwickeln, die kosteneffizient sind“, betont Hans Jensen. „Und da muss man ganz früh in der Entwicklungsphase ansetzen, sonst vergibt man ein enormes Potenzial.“

Jensen holte alle am Prozess Beteiligten an einen Tisch – den Einkauf, die Konstrukteure und die Kollegen aus der Fertigung. Zusammen mit den Fertigungsingenieuren  von Kerkhoff Engineering wurden die Kostentreiber analysiert, betrachtet und verschiedene wertanalytische Alternativen zur eigenen Fertigung oder zum Zukauf der Teile kalkuliert.

„Wenn ein Bauteil nach Materialkosten, nach Bearbeitungskosten zerlegt wird oder man sich anschaut, wie oft es beispielsweise bei  der  mechanischen   Bearbeitung  umgespannt  werden  muss, dann können wir konstruktiv an den einzelnen Kostentreibern arbeiten und auch Montagelinien optimieren“, so Jensen. Zusätzlich wurden Target-Preise für die zugekauften Teile ermittelt und daraufhin die Lieferanten und die bisher erzielten Angebotspreise nochmal überarbeitet. „Anhand der durch- geführten Kostenkalkulation waren wir in der Lage entsprechende Handlungsempfehlungen aufzuzeigen und wertanalytische Berechnungen anzustellen, um - wie in diesem Fall – alternative, kostenoptimierte Prototypen für SHW zu simulieren,“ erklärt Panchyrz. Oftmals müssen bei SHW Teile zugekauft werden. Für die Einkaufsabteilung war es von Vorteil, wenn sie durch die Analysen eine gestärkte Kalkulationssicherheit hat und mit diesen unter- mauerten  Zahlen  in  die  Verhandlungen mit den Lieferanten gehen kann.

Da ging es um Stückkosten genauso wie um Logistikkosten. Denn die Software gibt dem Anwender die Möglichkeit auf viele Kostenfaktoren zuzugreifen. So werden beispielsweise für Lohnkosten Vergleichsrechnungen aus 700 verschiedenen Regionen, in 33 Branchen und aus 9 Qualifikationsstufen angeboten. Diese Zahlen müssten ansonsten mit der Hand recherchiert werden und eine Kalkulationserstellung wäre ungemein langsam und schwierig.

Gemeinsam zum Zielpreis
Das Zusammenspiel aus Konstruktion, Einkauf und Fertigung ergab dann ein auf die Zielkosten optimierter Prototyp, bei dem keine teuren Kostensenkungsprogramme für die Serienfertigung benötigt wurden. „Gerade für uns als Automobilzulieferer ist es immens wichtig, dass unsere Preiskalkulation hieb und stichfest ist“, erzählt Jensen. „Immerhin sind unsere Produktpreise dann für eine ganze Serie und für einen Zeitraum von 7 Jahren festgeschrieben. Da darf es uns nicht passieren, dass wir im Nachhinein den Preis nicht halten können.“ Denn Nachverhandlungen mit den OEM`s seien nicht mehr möglich.

Einen Zusatznutzen gibt es auch für die internationalen Programme: „Oftmals haben wir identische Bauteile in unseren Werken auf der ganzen Welt. Mit der Software von Kerkhoff können wir auch gleich für diese Target-Preise ermitteln, denn es sind dort für alle Länder Parameter hinterlegt“, erzählt Jensen. Diese Zahlen werden bei SHW dann mit einem lokalen Check der Lieferanten überprüft und umgesetzt. „Damit sind wir in der Lage, sehr schnell ein realistisches Angebot für unsere Produkte im globalen Rahmen abzugeben“, so Jensen.

Niklas Panchyrz, Senior Partner der Kerkhoff Consulting GmbH
„Das Kalkulieren  von Kaufteilen und die Analyse über eigengefertigte Produkte oder die konstruktions- und planungsgetriebene Produktkostenkalkulation sind nicht mehr alleiniges Instrument des Automotive Sektors. Die branchenübergreifende Expertise eines Engineering-Beraterteams in Kombination mit der Software zur Produktkostenkalkulation lässt Kostenvorteile realisieren und nachhaltig die Wettbewerbssituation verbessern. Es können verschiedene Fertigungstechnologien miteinander verglichen werden. Kosten, wie zum Beispiel Materialien, Löhne, Energie, Maschinen, Gemeinkosten können differenziert kalkuliert werden. Nach der Erstellung der Kalkulation stehen neben der gewonnenen Kostentransparenz weitere Kostenanalysen zur Verfügung. Hierbei gewinnen die Unternehmen den gewünschten Durchblick um konkrete Handlungsempfehlungen zu erarbeiten.“

Autorin: Kathrin Irmer